Romane und Erzählungen, Essays – Erstdrucke, Erstausgaben



- Das Spinnennetz (Roman, 1923) erschien zu Lebzeiten Roths nur in Fortsetzungen in der Wiener sozialistischen Arbeiter-Zeitung.
- Hotel Savoy (Roman, 1924)
- Die Rebellion (Roman, 1924)
- April. Die Geschichte einer Liebe (Erzählung, 1925)
- Der blinde Spiegel. Ein kleiner Roman (1925)
- Juden auf Wanderschaft (Essay, 1927)
- Die Flucht ohne Ende. Ein Bericht (Roman, 1927)
- Zipper und sein Vater (Roman, 1928)
- Rechts und Links (Roman, 1929)
- Panoptikum. Gestalten und Kulissen (1930, Reportagen)
- Hiob. Roman eines einfachen Mannes (Roman, 1930)
- Radetzkymarsch (Roman, 1932)
- Stationschef Fallmerayer (Erzählung, 1933)
- Tarabas, ein Gast auf dieser Erde (Roman. 1934)
- Le triomphe de la beauté / Triumph der Schönheit (Erzählung, 1934/1935)
- La buste de l’empereur / Die Büste des Kaisers (Erzählung, 1934/1935)
- Der Antichrist (Essays, 1934)
- Die Hundert Tage (Roman, 1935)
- Beichte eines Mörders, erzählt in einer Nacht (Roman, 1936)
- Das falsche Gewicht. Die Geschichte eines Eichmeisters (Roman, 1937)
- Die Kapuzinergruft (Roman, 1938)
- Die Geschichte von der 1002. Nacht (Roman, 1939)
- Die Legende vom heiligen Trinker (Erzählung, 1939)
- Der Leviathan (Erzählung, 1940)
- Der stumme Prophet (Roman, fragmentarisch erhalten, 1966)
- Perlefter. Fragmente und Feuilletons aus dem Berliner Nachlaß. Hg.: Friedemann Berger. Leipzig, Weimar, Gustav Kiepenheuer 1978 bzw. 1981.


Diese Werke sind in den Bänden 4 bis 6 folgender Ausgabe zu finden:
Joseph Roth. Werke. Band 1–3. Das journalistische Werk. Band 4–6. Romane und Erzählungen. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 1989–1991.
Und ferner in den verschiedensten Ausgaben, z. T. editorisch betreut, z. T. kommentiert, erschienen, siehe die Abschnitte Die bisherigen Werkausgaben und Kommentierte Ausgaben.
Die journalistischen Schriften
Alle journalistischen Schriften werden komplett erst in der Joseph Roth Edition (JRE) erscheinen.
Sammlungen:


Die bisher umfangreichste Auswahl in den ersten drei Bänden der sechsbändigen Ausgabe zu finden:
Joseph Roth. Werke. Band 1–3. Das journalistische Werk. Band 4–6. Romane und Erzählungen. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 1989–1991.
Thematische Sammlungen:


Joseph Roth. Unter dem Bülowbogen. Prosa zur Zeit. Hg.: Rainer-Joachim Siegel. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 1994, 373 S., geb., ISBN 978-3-462-02353-4.


Joseph Roth. Reise nach Rußland. Feuilletons, Reportagen, Tagebuchnotizen 1919–1930. Hg., Nachw.: Klaus Westermann. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 1995 (KiWi 378), 294 S., brosch., ISBN 978-3-462-02432-6.


Michael Bienert: Joseph Roth in Berlin. Ein Lesebuch für Spaziergänger. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 1996 (KiWi 419), 275 S., brosch., ISBN 978-3-462-02541-5.


Joseph Roth. Briefe aus Deutschland. Mit unveröffentlichten Materialien. Hg., Nachw.: Ralph Schock. Blieskastel: Gollenstein, 1997, 174 S., geb., ISBN 978-3-930008-57-5.


Joseph Roth. Im Bistro nach Mitternacht. Ein Frankreich-Lesebuch. Hg.: Katharina Ochse. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 1999 (KiWi 525), 253 S., mit Abb., brosch., ISBN 978-3-462-02806-5.


Joseph Roth. Kaffeehausfrühling. Ein Wien-Lesebuch. Hg., Vorw.: Helmut Peschina. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2001 (KiWi 607), 207 S., brosch., ISBN 978-3-462-02967-3.


Joseph Roth: „Ich zeichne das Gesicht der Zeit“. Essays – Reportagen – Feuilletons. Hg., kommentiert: Helmuth Nürnberger. Göttingen: Wallstein, 2010, 544 S., geb., ISBN 978-3-8353-0585-4.


Joseph Roth. Heimweh nach Prag. Feuilletons – Glossen – Reportagen für das „Prager Tagblatt“. Hg., kommentiert: Helmuth Nürnberger. Göttingen: Wallstein, 2012, 640 S., geb., ISBN 978-3-8353-1168-8.


Joseph Roth. Drei Sensationen und zwei Katastrophen. Feuilletons zur Welt des Kinos. Hg., kommentiert: Helmut Peschina, Rainer-Joachim Siegel. Göttingen: Wallstein, 2014, 398 S., geb., ISBN 978-3-8353-1382-8.
Die bisherigen Werkausgaben
In Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln, sind drei unterschiedlich umfangreiche Werkausgaben erschienen:


JRW 1: Werke in drei Bänden. 1956. Hg.: Hermann Kesten.


JRW 2: Werke in vier Bänden. 1975/76. Hg.: Hermann Kesten.


JRW 3: Werke in sechs Bänden. 1989/91. Hg.: Klaus Westermann, Fritz Hackert:
- Band 1: Das journalistische Werk. 1915–1923. Hg.: Klaus Westermann,
- Band 2: Das journalistische Werk. 1924–1928. Hg.: Klaus Westermann,
- Band 3: Das journalistische Werk. 1929–1939. Hg.: Klaus Westermann,
- Band 4: Romane und Erzählungen. 1916–1929. Hg.: Fritz Hackert,
- Band 5: Romane und Erzählungen. 1930–1936. Hg.: Fritz Hackert,
- Band 6: Romane und Erzählungen. 1936–1940. Hg.: Fritz Hackert.
2026 erschien im Wallstein-Verlag eine vierbändige Werkausgabe in der Textgestalt der Erstdrucke:


WA: Joseph Roth. Werke. Göttingen: Wallstein, 2026, 4 Bde. 2.496 S., geb., ISBN 978-3-8353-5785-3.
Unsere Rezension „originaler Wortlaut“
Es ist ein heikles Unterfangen und ein Bündel von Problemen, die sich hinter diesem Schlagwort finden (das gar nicht werbewirksam, sondern bescheiden auf den letzten Seiten jedes Bandes genannt wird).
Gewiß, Roth hat die deutsche Sprache sehr bewußt benützt, und durch eigene Regeln oder Praktiken individualisiert. Ein wichtiges Element ist Rhythmus der Sprache und gezielte Betonung, die man oft durch Pausen erlangt; diese Pausen anzuzeigen eignet sich der Beistrich – in einer Verwendung, die seiner Aufgabe der Trennung ähnelt, aber hier etwas viel Umfassenderes ist. Ein anderes wichtiges Element ist die Reihung der Worte, die ebenfalls zu unterschiedlichen Betonungen führen kann. Ob Roth schon die Verwendung antiquierter oder dialektgefärbter Worte und Formulierungen als Präzision und Aufmerksamkeits-Appell an die Leserschaft empfunden hat, wissen wir nicht so genau, denn damals war vieles (noch) nicht (so) antiquiert oder un-hochsprachlich, verglichen mit unserem heutigen Empfinden.
Übrigens, „hieher“ braucht nicht korrigiert zu werden (WA 3, 580), es ist eine altertümliche Form von „hierher“, die Roth sehr gerne verwendete, die ihm aber oft, damals wie auch hier, ,verbessert‘ wurde. Eigenheiten solcher Art sind natürlich am besten in Handschriften erkennbar, im Vergleich von einem früheren Stadium zu einem späteren in der Handschrift (also eigene Korrekturen, von denen Roths Handschriften voll sind), oder die Veränderungen von Handschrift zu Typoskript, sofern sie auf einem Diktat Roths fußen und nicht bloße Abschriften waren.
Und, nicht zu vergessen, auch Roth war immer wieder unkonsequent und flüchtig, insbesondere beim Korrekturlesen. Die nächste Stufe seiner Texte war erreicht, wenn ein oder mehrere Setzer der Herstellung von Druckwerken für Zeitung oder Buch zu Werke gingen. Von Roths Einfluß (gelegentlich von ihm mit Nachdruck verlangt, manchmal resigniert dem Zufall überlassen), der sich durch die Satzvorlage äußerte, abgesehen, haben in der Regel sowohl Autor wie Redakteur oder Verlagsmitarbeiter den Satz Korrektur gelesen – mit unterschiedlicher Aufmerksamkeit. Es ist nicht ganz unverständlich, daß Roth da schon seines Textes müde war und leicht etwas übersah, oder sich gefügt hat, oder einfach keine Zeit mehr hatte.
So ist logisch, daß aus Roths Text in jeder Zeitung, jedem Verlag, zu verschiedenen Zeitpunkten etwas leicht anderes geworden ist/wäre, verglichen mit seinen Intentionen und verglichen mit dem, was eine andere Setzerei draus gemacht hätte.
Was bleibt nach solchen (hier ganz kursorisch beschriebenen) Prozeduren vom „originalen Wortlaut“ übrig?
Ja, immer noch sehr viel, was eine Normierung durch neuere (und schon wieder veraltete) Rechtschreibregeln oder ein schlampiger Satz, der Worte ändert, wegläßt, mißversteht, zerstören kann (und hat).
So relativ etwa ists mit dem „originalen Wortlaut“ bestellt, und trotz allem ist er einen großen Schritt näher zu Roth, als die zuletzt angedeutete Schande. Ganz lernen wir Roths Umgang mit der Sprache aber erst, wenn wir uns den gesamten (soweit erhaltenen) Entstehungsprozeß seiner Texte vor Augen führen. Dazu braucht es naturgemäß noch viel mehr Zeit der Vorbereitung, als zu jenen vier, die hier nach etlichen Jahren der Arbeit, in eine Schlaufe (keinen teuren Schuber) gebündelt sind (die selbst allein bei der Werkliste schon zwei grobe Fehler aufweist) – ein Symptom der menschlichen Unvollkommenheit, von der keine Ausnahme sein kann, mit was immer für einer Intelligenz ausgestattet.
Werke – das sind in dieser Ausgabe Romane und Erzählungen, aber nicht alle. Es fehlen an umfangreichen Texten „Rechts und Links“, „Die Hundert Tage“ und „Die Geschichte von der 1002. Nacht“ und Fragmente, vor allem „Der stumme Prophet“, und wichtiges Anderes.
Werke, journalistische – da gibt es eine schmale Auswahl von Arbeiten für Zeitungen, die es fast genau so schon einmal gegeben hatte. Sie basiert nämlich auf dem Band „Joseph Roth. ,Ich zeichne das Gesicht der Zeit‘“ (Hg. Helmuth Nürnberger, 2010 im gleichen Verlag erschienen, also günstig zur Hand) und zwei anderen mit den gleichen Eigenschaften.
Wer diese Ausgabe benützt, ist also einen Schritt dem, was Roth geschrieben hat, näher. Mehr nicht, aber das lohnt, wie sich zeigt, wenn man sich die Mühe des Vergleichs macht. Vor allem fällt die häufigere Verwendung von Beistrichen auf, und wenn man (z. B. durch laut lesen) die Intention entdeckt, ist schon viel gewonnen. Allerdings sind gerade hier die meisten Unstimmigkeiten zu finden, wie ausführliche Stichproben zeigen; aber wie gesagt, es ist sehr mühsam, hier genau zu sein.
So überrascht das Wort „Vorzugschüler“ in Titel und Text, aber das gewohnte Binde-s kam erst in späteren Drucken als dem ersten zur Geltung. (Roths Handschrift enthält „Vorzugsschüler“, aber sowas hat man hier nicht konsultiert – halt, einmal schon, weil es auch schon zur Hand war:)
Der Text des Romans „Die Rebellion“ gibt die Handschrift wieder; sie gebe an vielen Stellen den Text sorgfältiger wieder als die schlampig gesetzte und mangelhaft korrekturgelesene Erstausgabe. (Diese Philosophie hätte im Nachwort schon hervorgehoben und argumentiert, nicht nur angedeutet werden können; das Nachwort ist wie oft nicht neu geschrieben, sondern nur ein Auszug aus dem ursprünglichen der Ausgabe dieses Romans von 2019, Hg. Ralph Schock).
Übrigens: Die jedem Werk beigegebenen Nachworte sind sehr unterschiedlich in ihrem Aussagewert. Oft wehen antiquierte Ansichten heran (Verweise auf neuere wissenschaftliche Arbeiten oder gar Editionen sind nicht so häufig, wie man erwarten darf; persönliche Eindrücke gehen etwas weit). Klassiker der Roth-Literatur wie Claudio Magris oder David Bronsen zu lesen ist immer ein Vergnügen, aber sie wirken auszugsweise in diesem für heute gedachten Aspekt nur löblich, und manchmal staubig.
Eine Gesamtübersicht zu Roths Leben und Werk, und sei es tabellarisch, fehlt. Manche Nachworte sind kompetent geschrieben (z. B. die von Brittnacher, Kehlmann, Kesting, Schlüter). Andere geben (verstreut, sich wiederholend) biographische Informationen, bleiben aber der Kürze wegen oft im Ungenauen. Unrichtiges wird ohne Prüfen weitertransportiert (z. B. der Beginn der Mitarbeit Roths in der Frankfurter Zeitung (nach einem einzigen Text, einem Nachdruck, im Jahr 1922). Richtig ists (mit mehr als nur einem Text, zum Teil immer noch mit Nachdrucken) erst ab 1923; „blendend verdient“ hat Roth nicht von 1923 an, sondern erst einige Jahre später; kompliziertere Zusammenhänge (wie die Hyperinflation in Deutschland, der gesamtwirtschaftliche Einfluß auf den schlechten Verkauf von Romanen, Roths Berichte über die Aktivitäten der Rechtsradikalen) finden kaum Erwähnung.
Der erste Teil des Nachworts zu „April“ bezieht sich auf 1934, als Roth ziemlich verzweifelt „Die Hundert Tage“ schrieb (Andrea Manga Bell war keine Grafikerin, sondern (im Schatten der Männer ungenannte) Redakteurin einer Berliner Zeitschrift für Druckgrafik, ehe sie Roths Freundin und Mitarbeiterin wurde); beides hat mit „April“ biografisch und inhaltlich gar nichts zu tun, einer Erzählung aus den frühen 1920er Jahren.
Die historischen Hintergründe von „Tarabas“ hätten ein wenig Erklärung benötigt; schließlich basiert Roths Erzählung vom Pogrom auf tatsächlichen Geschehnissen in Brody (und ähnlichen anderswo), und wurde von Roth auch schon in einem kurzen, zu Lebzeiten nicht veröffentlichten Text, beschrieben (rund zehn Jahre vor dem Roman).
Der Herausgeber der Exilzeitschrift Das Neue Tage-Buch heißt nicht Leopold Schwarzwild (WA 3, 553), sondern Schwarzschild.
Die Erzählung „Stationschef Fallmerayer“ leidet im Erstdruck durch unterschiedliche Handhabung von ss/ß, was hier weder angesprochen noch systematisiert oder exakt abgebildet wurde. Das Nachwort situiert die Geschehnisse unrichtig, indem es meint, die Hauptaktion spiele unmittelbar nach der russ. Revolution 1917. Tatsächlich kommt Fallmerayer erst während der Okkupation ukrainischer Gebiete durch deutsche und österreichische Truppen ab Februar 1918 (Stichwort ‚Brotfrieden‘ im Rahmen der Verhandlungen von Brest-Litowsk) zu seiner Angebeteten.
Der Erstdruck als Buch von „Die Kapuzinergruft“ hat, dann hat nicht: Redezeichen – er wurde zum Teil ohne, zum Teil mit gesetzt und in der hektischen Herstellung 1938 nicht mehr revidiert. Hier ergänzt die Wallstein-Ausgabe unter dem Mantel der stillschweigend korrigierten Druckversehen.
Zum Thema „eindeutige Fehler stillschweigend korrigieren“ sei angemerkt, daß im „falschen Gewicht“ gewiß nicht Eichkätzchen, sondern Palmkätzchen sprießen wollten (WA 3, 411), nicht „dem und jenen Einwohner“, sondern „dem und jenem Einwohner“.
Orthographie und Zeichensetzung in der Wallstein-Ausgabe ist in den früheren Romanen weniger genau überprüft als in den späteren. Zumeist sind es die Beistriche, manchmal einer zu viel, manchmal einer zu wenig; gelegentlich Absätze, mit oder ohne Einzug, unregelmäßige ß/ss-Schreibung. Insgesamt aber ist die möglichst originale Wiedergabe der Texte gelungen. Da die Ausgabe aber verzichtet, sich selbst mit mehr als zwei Wörtern zu loben, sprich: den Unterschied zu früheren Ausgaben zu erklären, fragt man sich, wer die bloße Etikette für so wertvoll hält. Hier soll wohl der Preis des kompakten Sets wirken, wie das Wallstein schon mehrfach praktiziert hat.
Das Fehlen des Romans „Die Geschichte von der 1002. Nacht“ ist unverzeihlich, die bei weitem zu knappe Auswahl der journalistischen Arbeiten ebenso, hier ist der ausführliche Kommentar H. Nürnbergers nur ein Nothelfer. Aber immerhin sind seine Anmerkungen konsistent (was nicht von ihm aufgenommen worden war, ist sofort erkennbar durch minimales Lexikalisches). Die ungleichen Nachworte (von ausgezeichnet bis entbehrlich) zu den Romanen hätten eine Redaktion gut vertragen.
Hilfreich sind die Rezensionen, die einen brauchbaren Einblick in die zeitgenössische Rezeption geben. Sie bleiben aber etwas zusammenhangslos in der Luft. Immerhin sind es oft Zeugnisse von Freunden des Autors (deswegen nicht unkritisch, dafür einfühlsam); und sie sind (als solche nicht charakterisiert) Zeugnisse aus jenen Jahren, in denen – mit Roths Zutun – das breite Referieren über Neuerscheinungen aktueller Literatur im deutschen Sprachraum erst begonnen hat).
Den heutigen LeserInnen helfen gewiß die Erklärungen nicht mehr gebräuchlicher oder dialektgefärbter Begriffe am Ende der Romanbände.
Fazit: Eine kleine (gar nicht so billige) Kiste mehr; ein „teaser“, den Roth nicht mehr braucht. Neuland? Nicht damit, denn für nicht informierte Leserinnen/Leser stellt es sich nicht dar. (Die redaktionelle Arbeit an Roths erzählenden Texten war, wie man sich laienhaft nicht vorstellen kann, eine immense Mühe; sie wird hier unterm Wert verscherbelt.) Blätternde merken das nicht, was wir hier loben können; sie merken vielleicht nur wenig von dem, was wir hier kritisieren.
Die bis 1994 bekannten Daten zu und rund um Roths Werk sind genau aufgeschlüsselt in: Rainer-Joachim Siegel: Joseph Roth-Bibliographie. Morsum/Sylt: Cicero, 1995: 13–29. (Siehe auch Abschnitt Bibliographie)
Die Ausgaben JRW 1 bis JRW 3 leiden daran, daß sie (auch die sechsbändige) nicht komplett und beinahe unkommentiert sind, sowie daran, daß alle Texte nach der damals gültigen Rechtschreibung weitgehend normiert worden sind, also Roths Eigenheiten in Schreibung und Zeichensetzung ignoriert wurden. Zudem enthalten sie zahlreiche Transkriptions- und Satzfehler. Die Bände 4–6 geben im Anhang Hinweise auf Vorstufen, Probedrucke, etc. der Prosa, die in diversen Verlagen, Zeitungen, Zeitschriften herausgekommen sind bzw. in Archiven aufbewahrt werden.
Kommentierte Ausgaben
Kommentierte Ausgaben von Romanen und Erzählungen Roths


Joseph Roth. Hiob. Roman eines einfachen Mannes. Hg.: Martin Lowsky. Husum: Hamburger Lesehefte, 2010 (Nr. 225), 158 S., brosch., ISBN 978-3-87291-224-4.
Neudruck des Erstdrucks des Romans in Buchform: Berlin: Kiepenheuer, 1930, modernisierte Rechtschreibung; Roths Kommasetzung ist beibehalten.
Enthält neben dem Text ein Nachwort (S. 130–140); Materialien (S. 141–143); Literaturhinweise (S. 144); eine Zeittafel (S. 145–147) und Stellenkommentare (S. 148–158).


Martin Lowsky: Joseph Roth. Hiob. Roman eines einfachen Mannes. Textanalyse und Interpretation. Hollfeld: Bange Verlag, 2013 (Königs Erläuterungen. 435), 144 S., brosch., ISBN 978-3-8044-2000-7.


Joseph Roth: Hiob. Roman eines einfachen Mannes. Mit Materialien, ausgew. von Stefan Schäfer. 1. Aufl. Stuttgart, Leipzig: Klett, 2010 (Editionen für den Literaturunterricht), 208 S., brosch., ISBN 978-3-12-352426-4.


Joseph Roth: Juden auf Wanderschaft. Bildauswahl von Christian Brandstätter. Wien, München: Brandstätter, 2010, 144 S., geb., m. Abb., ISBN 978-3-85033-359-7.
Enthält neben dem 1927 zuerst in Buchform publizierten Text und den für eine Neuausgabe 1937 verfaßten Zusätzen (beides nach der sechsbändigen Ausgabe Werke, Band 2, 1990) ein Nachwort und zahlreiche Abbildungen, die zwar eine Fülle von interessantem (und manchem wenig bekannten) Bildmaterial darstellen, das aber nur in einem sehr allgemeinen Zusammenhang mit Roths Text steht. Man bekommt den Eindruck, daß der Text nur einen Vorwand für die Bilderflut abgibt. Für einen korrekten Text siehe: Joseph Roth. „Ich zeichne das Gesicht der Zeit“.


Joseph Roth: Der Leviathan. Hg.: Konstanze Fliedl. Stuttgart: Reclam, 2010 (Universal-Bibliothek. 18685), 71 S., brosch., ISBN 978-3-15-018685-5.
Kritisch durchgesehener Neudruck des Erstdrucks der Novelle in der „Pariser Tageszeitung“, 1938.
Enthält neben dem Text und Hinweisen auf textliche Korrekturen (S. 47–48); Stellenkommentare (S. 49–55); Literaturhinweise (S. 56–57) und ein Nachwort (S. 58–70).


Joseph Roth: Die Legende vom heiligen Trinker. Hg.: Konstanze Fliedl. Stuttgart: Reclam, 2010 (Universal-Bibliothek. 18683), 69 S., brosch., ISBN 978-3-15-018683-1.
Kritisch durchgesehener Neudruck des Erstdrucks der Novelle: Amsterdam: Allert de Lange, (1939).
Enthält neben dem Text und Hinweisen auf textliche Korrekturen (S. 45); Stellenkommentare (S. 46–49); Literaturhinweise (S. 50–51) und ein Nachwort (S. 52–68).


Joseph Roth: Radetzkymarsch. Roman. Hg.: Werner Bellmann. Stuttgart: Reclam, 2010, 538 S., geb., ISBN 978-3-15-010752-2.
Textgrundlage ist die Erstausgabe des Romans „Radetzkymarsch“ von 1932 (Berlin: Kiepenheuer). Damit vermeidet er die Fehler der Werkausgaben von 1956, von 1975/1976 und von 1989/1991 im Verlag Köln: Kiepenheuer & Witsch. [Ein Vergleich erhärtete die bedrückende Tatsache, daß seit dem ersten Abdruck, der schon Eingriffe in den Text enthielt, die Sorgfalt des Verlags nicht wuchs (Anhang, S. 475 f.). Die Werkausgabe von 1989/1991 enthält zwar in den drei Bänden erzählender Schriften von ihrem Herausgeber Fritz Hackert erarbeitete Hinweise und Angaben zu Entstehung und zu erhaltenen Manuskripten, belegt aber gleichzeitig in den Nachweisen der Druckgeschichte, daß der Verlag nur immer wieder die eigenen alten Ausgaben ohne Kontrolle nachdruckte.]
Die Veränderungen in Text und Gliederung, die Roth nach dem Vorabdruck des Romans in der „Frankfurter Zeitung“ (April bis Juli 1932) für die Buchausgabe (Oktober 1932) vornahm, werden im Reclam-Buch mit einigen Beispielen angedeutet, ihre Dimension aber weder belegt noch beschrieben. Auch die Form der „Portionierung“ der Texte für den Zeitungsabdruck bleibt unerwähnt. Gänzlich fehlt der Hinweis, ob sich die fünf Auflagen der Buchausgabe von Oktober 1932 bis Jänner 1933 von einander unterscheiden. Genau werden die für die vorliegende Ausgabe getätigten geringfügigen Standardisierungen vermerkt (Anhang, S. 477).
Die Anmerkungen (S. 479–513) enthalten knappe inhaltliche Erläuterungen und (darin versteckt) einige wenige Hinweise auf Änderungen im Text von der Zeitungsversion zur Buchversion; näher definiert wird nur der hinzugefügte „Epilog“ (s. S. 473).
Nicht verglichen wurde der Text mit den wenigen Seiten Handschrift bzw. Typoskript zum Roman, die im Leo Baeck Institute bzw. im Deutschen Literaturarchiv erhalten sind. Das Nachwort faßt die bekannten Positionen zusammen, von rückwärtsgewandter Utopie zum Determinismus im Untergang Österreich-Ungarns.


Joseph Roth: Radetzkymarsch. Roman. In der Fassung der Erstausgabe von 1932. Nachw.: Eva Demski. Zürich: Manesse, 2010 (Manesse Bibliothek der Weltliteratur), 655 S., geb., ISBN 978-3-7175-2218-8.
Enthält neben dem Text, in den stark eingegriffen wurde, einem kurzen Stellenkommentar (S. 627–634); ein sympathisch-persönliches Nachwort (S. 635–648) und eine editorische Notiz (S. 649–654).


Joseph Roth: Die Rebellion. Roman. Nach dem Manuskript ediert und Nachw.: Ralph Schock. Göttingen, Wallstein, 2019, 296 S., geb., ISBN 978-3-8353-3690-2.
Enthält den Roman in der Fassung einer Durchschrift des Typoskripts, mit Varianten im Anhang, ferner verwandten Texten und solchen zur Rezeption.
Wie öfters hat sich hier die Frage gestellt, ob ein (von Roth korrigiertes) Typoskript oder der Texte des Erstdrucks (oder von Vorabdrucken) näher dem ist, was sich Roth als Endprodukt gewünscht hat. Der Verlag Die Schmiede hat seine Vorstellung von Zeichensetzung und Schreibweisen eingebracht. Roth hat gewiß Gelegenheit gehabt, den Satz zur Korrektur zu lesen, hat sich aber offenbar in einen Kompromiß gefügt.
Die JRE stellt solche Varianten nebeneinander und zeigt damit ohne Bevormundung der Leser die erhaltenen Varianten des Textes und der Zeugen seiner schrittweisen Entstehung.


Joseph Roth: Das Spinnennetz. Roman. Hg.: Konstanze Fliedl. Stuttgart: Reclam, 2010 (Universal-Bibliothek. 18684), 151 S., brosch., ISBN 978-3-15-018684-8.
Kritisch durchgesehener Neudruck des Erstdrucks des Romans in der „Arbeiter-Zeitung“. Wien, 1923.
Enthält neben dem Text und Hinweisen auf textliche Korrekturen (S. 115); Stellenkommentare (S. 116–134); Literaturhinweise (S. 135–136) und ein Nachwort (S. 137–149).
Kommentierte ausgewählte essayistische Texte in der Form des Erstdrucks/der Handschrift


Joseph Roth. Rot und Weiss. Wanderer zwischen Städten. Nachw. Volker Breidecker. Berlin, Aufbau, 2022 (Die andere Bibliothek, 446), 336 S., geb., ISBN 978-3-8477-0446-1.
Der Band enthält drei Texte Roths: „Die weißen Städte“ (1925), „Juden auf Wanderschaft“ (1927) und „Das Autodafé des Geistes“ (1933, in der Übersetzung aus dem Französischen von Brita Eckert).
Der erste, ein zu Lebzeiten Roths nicht veröffentlichtes Buchprojekt, erscheint zum ersten Mal genau nach einer Durchschrift eines Typoskripts, das Roth handschriftlich korrigiert hat, das bis 1994 der Forschung nicht zugänglich war und nun im Deutschen Literaturarchiv in Marbach verwahrt wird. (Alle früheren Abdrucke folgten, rechtschreibmodernisiert, einer anderen Typoskript-Version, deren Aufenthaltsort nicht bekannt ist.)
„Juden auf Wanderschaft“ folgt dem Text des Erstdrucks im Verlag Die Schmiede, 1927.
Der dritte Text wurde zuerst mit dem Titel „L’Auto-da-fé de l’Esprit“ in Französisch in der Zeitschrift „Cahiers Juifs“. Paris, Nr. 5/6 (Sept./Nov.1933) veröffentlicht. Diese Texte werden von einem ausführlichen Nachwort des Herausgebers begleitet, das den mehrfach in Roths Texten aufgezeigten Bogen des Judentums aus dem Osten in den Westen, ans oder übers Meer, der für Roth eines der essentiellsten Erlebnisse war, beginnend mit seiner ersten Reise nach Frankreich im Jahr 1925. Das Nachwort weist auf viele andere Texte und Briefe Roths hin, die im Zusammenhang stehen, nicht zuletzt die Erzählung „Leviathan“. Es erörtert Zusammenhänge aus neuer Sicht, etwa die Vermutung, wer im späten Herbst 1925 den Druck der „Weißen Städte“ (getippt in Frankreich) unterbunden hat; es weist auf das Vorbild Heinrich Heine hin, der ähnlich tiefgreifende Erlebnisse des Südens beschrieb, als er 1828 Italien betrat (in Trient, nicht wie im Buch steht, in Triest); Stendhal wird allerdings nicht erwähnt.
Manche biographischen Angaben zu Roth sind etwas flüchtig behandelt: z. B. die Zahl der Synagogen in Brody, Roths Rückkehr bei Kriegsende 1918 nach Wien – nicht nach Brody, wo noch Russen, Polen und Ukrainer heftig kämpften – oder der Beginn seiner schriftstellerischen und journalistischen Tätigkeit; Roth wohnte dem Prozeß zum Hitler-Putsch von November 1923 im März 1924 nicht bei, Roths Beschreibung des französischen Nationalfeiertags von 1925 wurde von der „Frankfurter Zeitung“ nicht gedruckt, weil er 1925 so ausgelassen wie sonst gar nicht stattfand; das Todesdatum seiner Lieblingscousine Paula Grübel in Auschwitz-Birkenau ist bekannt). Gelegentlich mischt Breidecker etwas leichtfertig Leben und Werk Roths. Davon abgesehen ein kluger, neue Aspekte bietender Zugang zu einem Grundproblem jüdischen Lebens im vorigen Jahrhundert.


Joseph Roth. Drei Sensationen und zwei Katastrophen. Feuilletons zur Welt des Kinos. Hg., kommentiert: Helmut Peschina, Rainer-Joachim Siegel. Göttingen: Wallstein, 2014, 398 S., geb., ISBN 978-3-8353-1382-8.
Eine Sammlung zu einem sehr interessanten Aspekt in Roths Werk: alle erhaltenen Texte, die auf das Medium Film Bezug nehmen, und zwar: Filmkritiken und Essays in Zeitungen und Zeitschriften, ein Abschnitt aus dem Komplex „Antichrist“, vorab in einer Zeitung publiziert, und die drei Vorschläge für Filmscripts, die Roth gemeinsam mit dem Film-Fachmann Leo Mittler verfaßt hat.
Roths Artikel sind genau nach den benannten Erstdrucken ediert (Editorische Notiz S. 265 f.) und dankenswert ausführlich kommentiert (S. 270–351). Immerhin befinden sich unter den 99 Texten 12, die in bisherigen Ausgaben nicht aufgeschienen sind, also Neuheiten für alle jene, die sie nicht etwa aus den Zeitungen kennen, die sie zuerst publiziert haben.
Ein ausführliches Nachwort (S. 352–389) berichtet über die Breitenwirkung des Films im Wien und Berlin der Nachkriegszeit, über Roths spezifische Mahnungen, die Beliebtheit und Eindrücklichkeit des Mediums nicht nur für Reißerisch-Sensationelles, sondern auch für Bildung und Versöhnlichkeit zu nützen. Deutlich wird an diesen Texten, wie Roth ein Wegbereiter zu dem war, was Bernard von Brentano und Siegfried Kracauer in der FZ in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre wurden: scharfe, kritische und sehr aufmerksame Beobachter der geschäftlich und ideologisch enorm ertragreichen Szene, in der sehr rasch die Nationalsozialisten und ihre Freunde Einfluß zu nehmen begannen.
Auf die Präsenz des Kinos in Roths erzählendem Werk wird mit einigen Zitaten kurz verwiesen, ebenso auf den Essay „Der Antichrist“, in dem Roth die negativen Einflüsse des Kinos auf die Gesellschaft hervorkehrt.
Konträr dazu versuchte Roth in seinen letzten Jahren, seine aus den Berliner Jahren stammenden Kontakte zum Film zu nutzen, um damit Einkommen oder Hilfe zum Leben zu erhalten. Die drei erhaltenen Treatments „Kinder des Bösen“, „Der letzte Karneval von Wien“, [Die Eiffel ist eine sehr entlegene …] werden hier zum ersten Mal komplett und den Originalen entsprechend publiziert und kommentiert. Sie zeigen, wie Roth auch im Film die Vergangenheit und die Gegenwart auf wehmütige Weise behandelte, aber auch Anklagen gegen den Terror der Nationalsozialisten unterzubringen wußte.
Insgesamt ein erfreulicher weiterer Band in der Reihe thematischer Schwerpunkte, die mit den beiden von Helmuth Nürnberger herausgegebenen begonnen hat.


Joseph Roth. Heimweh nach Prag. Feuilletons – Glossen – Reportagen für das „Prager Tagblatt“. Hg., kommentiert: Helmuth Nürnberger. Göttingen: Wallstein, 2012, 640 S., geb., ISBN 978-3-8353-1168-8.
Das „Prager Tagblatt“ (PT) war eine jener Zeitungen, die ganz früh Texte von Roth abdruckten: bereits 1917; es hielt dem Autor über 20 Jahre lang die Treue, auch wenn es die meisten Texte in der ersten Hälfte der 1920er Jahre abdruckte: etliche hier zum ersten Mal veröffentlichte Texte, zahlreiche Nachdrucke, gelegentlich signifikant verändert – insgesamt etwa 150 Texte Roths. Damit war das PT das viertwichtigste Medium für den Autor. ähnlich viel brachte Roth innerhalb von 12 Monaten im Wiener „Neuen Tag“ unter. Der „Berliner Börsen-Courier“ brachte in zweieindrittel Jahren etwa 230 Texte Roths; die „Frankfurter Zeitung“, das wichtigste Blatt Roths, druckte in rund zehn Jahren etwa 340 Texte.
Von Roths Beziehungen zu Prag, zu seinen Journalisten und zum PT im Besonderen ist wenig bekannt. Im Nachwort skizziert Nürnberger ausführlich die Zeitungslandschaft des Landes. Das PT war die größte deutschsprachige Zeitung (der Monarchie außerhalb Wiens und) ab 1918 der Tschechoslowakei – liberal, mit einem starken Kulturteil, klug vermittelnd zwischen den gemäßigten Teilen der deutschsprachigen und tschechischen Bevölkerung. Allerdings ist nicht mehr nachvollziehbar, wie Roth zur Zeitung kam, wer seine Kontaktleute waren und wer die Initiativen setzte; entsprechende Korrespondenz ist leider nicht erhalten. Dennoch hebt der Herausgeber im Nachwort drei Personen hervor, die für Roth und für das Blatt, aber auch für die Zeit von Bedeutung waren: die leitenden Redakteure Karl Tschuppik, Max Brod und Rudolf Thomas.
Die Texte dieser Sammlung mehren die Zahl von Arbeiten Roths, die genau kontrolliert in der ursprünglich publizierten Form und ausführlich kommentiert zu lesen sind; als interessante Draufgabe ist sogar auf Veränderungen verwiesen, die, im Fall von zuvor bereits in anderen Zeitungen Publiziertem, für den Abdruck im „Prager Tagblatt“ (höchstwahrscheinlich von dessen Redaktion) gemacht wurden. Korrekturen gibt es auch gegenüber der traditionellen Roth-Ausgabe. In JR Werke Band 2, S. 308 beginnt der titelgebende Text mit doppelter Sehnsucht, statt wie hier S. 274 richtig: „Wenn ich keine Sehnsucht nach Paris hätte, so hätte ich Heimweh nach Prag. […]“


Joseph Roth: „Ich zeichne das Gesicht der Zeit“. Essays – Reportagen – Feuilletons. Hg., kommentiert: Helmuth Nürnberger. Göttingen: Wallstein, 2010, 544 S., geb., ISBN 978-3-8353-0585-4., auch in: Zürich: Diogenes, 2013 (detebe 24195), ISBN: 978-3-257-24195-2.
Die philologische Bedeutung dieser Auswahl-Ausgabe beruht darauf, daß hier – im Gegensatz zu früheren Ausgaben – jeweils auf die Textgestalt des Erstdrucks oder der Handschrift zurückgegriffen wurde. So ergeben sich bei manchen Texten (wie etwa „Juden auf Wanderschaft“) bemerkenswerte Unterschiede zu den landläufig bekannten Texten. Gleiche Sorgfalt wurde auch für Kommentare und Nachwort verwendet.
Inhalt: Feuilletons, Glossen, Reportagen 1916–1925 (S. 7–95); „Die weißen Städte“ (S. 97–135); „Juden auf Wanderschaft“ (S. 137–223); Feuilletons, Reportagen, Rezensionen 1925–1932 (S. 225–358); Texte aus den Jahren des Exils 1933–1939 (S. 359–401); Editorische Notiz (S. 405); Abkürzungen (S. 406–409); Anmerkungen (S. 410–498); Nachwort (S. 499–539).
Eine freundliche und kluge Rezension und Hommage an Roth von Karl-Markus Gauß in „Die Presse“. Wien vom 03. 10. 2010: www.diepresse.com
Andere Sammlungen ausgewählter Essays von Roth


Joseph Roth. Trübsal einer Straßenbahn. Stadtfeuilletons. Hg., Nachwort: Wiebke Porombka. Salzburg, Wien: Jung und Jung, 2012 (Reihe Österreichs Eigensinn), 271 S., geb., ISBN 978-3-99027-003-5.
Neuauflage 2025, ISBN 978-3-99027-417-0.
Sammlung von 80 Texte Roths, chronologisch gereiht, aus den Jahren 1919 bis 1929, die meisten davon vor 1925. Das Nachwort gibt nützliche Hinweise zur Schreibposition Roths – den Blick auf das Kleine zu richten, der so das Große erschließe; garniert mit gelegentlich ungenauen biografischen Angaben.


Joseph Roth auf Reisen. Hg.: Petra Herczeg, Rainer Rosenberg. Klagenfurt/Celovec: Wieser, 2011 (Reihe Europa erlesen / Literaturschauplatz), 261 S., geb., ISBN 978-3-85129-872-7.
Roth war kein Tourismus-Rezensent im heutigen Sinn: Das Fahren und das Abenteuer als solche haben ihn nicht gereizt; schon hingegen die Mobilität, und damit gleicht er vielen Menschen unserer Tage, die gern oft an verschiedenen Orten sind.
Was Roth konnte, und was er für uns noch immer höchst eindrucksvoll macht, das ist: beim Schauen helfen, sich auf die Eindrücke des Neuen konzentrieren. Erst wenn man das Erleben mit Worten faßt, wird dieses dauerhaft (so wie weniger verbale Menschen mit dem Fotoapparat versuchen, die Eindrücke, das Neue, zu bewahren). In diesem Sinn bilden Roths Berichte von verschiedenen Orten eine höchst amusante Lektüre. Der Blickwinkel ist geschärft, die Ideen sind wie neu und daher bestens empfehlenswert. Roth zeigt uns das nunmehr ehemalige Galizien, den neuen Staat Polen, Deutschland, Italien, den Balkan und Albanien, Österreich (das Burgenland, als es noch unsicheres Grenzland war), Frankreichs Süden, ein wenig von Rußland; die Vorzüge des Lebens im Hotel und Reisebegleitung mit und ohne Traglasten. (Heinz Lunzer)
Filmszenarios


Wolfgang Jacobsen u. Heike Klapdor (Hg.): In der Ferne das Glück. Geschichten für Hollywood von Vicki Baum, Ralph Benatzky, Fritz Kortner, Joseph Roth sowie Heinrich und Klaus Mann u. a. Aus d. Englischen von Gesine Schröder. Berlin: Aufbau, 2013, 503 S., geb., ISBN 978-3-351-03527-3.
Eine Rezension dazu von Paul Michael Lützeler in „Die Welt“: www.welt.de
Briefe
Eine Bilanz der Buchausgaben von Briefen von Roth bis 1994 und eine Übersicht von Archiven, die weitere Briefe aufbewahren, gibt der Abschnitt K Briefe in Rainer-Joachim Siegel: Joseph Roth-Bibliographie. Morsum/Sylt: Cicero, 1995: S. 391–394. (Siehe auch Abschnitt Bibliographie)
Die wichtigsten Bände sind:


Joseph Roth. Briefe 1911–1939. Hg., Einl.: Hermann Kesten. Köln, Berlin: Kiepenheuer & Witsch, 1970.
Die Ausgabe ist wertvoll, da sie von einem Zeitzeugen zusammengetragen, herausgegeben und kommentiert wurde; allerdings ausgewählt, z. T. gekürzt, fehlerhaft transkribiert.
Sie wird ergänzt durch einzelne Korrespondenzen mit:


… dem Literaturagenten Barthold Fles:
„,Muß man denn immer postwendend Geld senden, um überhaupt mit Ihnen verkehren zu können?!‘ Joseph Roth und Barthold Fles in Briefen“. In: Interbellum und Exil. [Festschrift] Für Hans Würzner zum Abschied von der Rijksunversiteit Leiden. Hg. Sjaak Onderdelinden. Amsterdam, Atlanta, 1991: 199–224.


… dem Verlag De Gemeenschap:
„Aber das Leben marschiert weiter und nimmt uns mit“. Der Briefwechsel zwischen Joseph Roth und dem Verlag De Gemeenschap 1936–1939. Hg., Einl.: Theo Bijvoet, Madeleine Rietra. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 1991, 329 S., geb., ISBN 978-3-462-02101-1.


… den Verlagen Allert de Lange und Querido:
„Geschäft ist Geschäft. Seien Sie mir privat nicht böse. Ich brauche Geld“. Der Briefwechsel zwischen Joseph Roth und den Exilverlagen Allert de Lange und Querido. 1933–1939. Hg., Einl.: Madeleine Rietra, Rainer-Joachim Siegel. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 1991, 580 S., geb., ISBN 978-3-462-03463-9.


… Stefan Zweig:
„Jede Freundschaft mit mir ist verderblich“. Joseph Roth und Stefan Zweig. Briefwechsel 1927–1938. Hg.: Madeleine Rietra, Rainer-Joachim Siegel, Nachw.: Heinz Lunzer. Göttingen: Wallstein, 2011, 624 S., geb., ISBN 978-3-8353-0842-8.
Zwei von vielen freundlichen Rezensionen zu diesem Buch:
- Von Peter Stephan Jungk in: Die Welt: www.welt.de
- in: Frankfurter Sonntagszeitung vom 25. September 2011: „Im freien Fall. Das dramatischste Buch über die Zeit des Exils in Europa: Der Briefwechsel zwischen Joseph Roth und Stefan Zweig“
Die Joseph Roth Edition (JRE) publiziert nach Möglichkeit alle Briefe von, an und über Roth in den Bänden „Briefe und andere Dokumente“ in einer chronologischen Abfolge und mit ausführlicher Kommentierung. Erst damit wird eine historische Zusammenschau der gleichzeitigen Kontakte Roths, soweit sie erhalten oder belegbar sind, geboten.
