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Drei Personen zu Pferd

Wo? Wer sind die Männer?


Leo Baeck Institute, New York, Joseph Roth Collection AR 1764, F 37770

Das Foto ist vom LBI falsch beschriftet worden. Es reiten natürlich nicht Roth und Friederike, sondern andere:

Die hs. Beschriftung lautet „Friedel und Joseph Roth in alter Liebe hoch zu Ross. Claire“

Die Reiterin und Verfasserin der Beschriftung ist Clara/Claire Landau, die Geschäftsführerin der Bibliophilen Bücherstube, Berlin, Am Schöneberger Ufer 31. Verwandt mit Adele von Mises, geb. Landau – also eine Berliner und eine Brodyer Connection zu Roth. Sie betreute die kranke Friederike Roth einige Wochen lang im Jahr 1929. Claire beging Selbstmord am 18.05.1930.

Einen Nachruf verfaßte Karl Otten in ihrem letzten Antiquariats-Katalog. Siehe mww-forschung.de/blog/

Die Frage wo? ist wohl leicht zu beantworten, Grunewald (oder?) Die Frage wer die beiden Männer sind – werden wir sehen. (Karl Otten ist nicht dabei, ebensowenig Stefan Fingal, der sie auch kannte).


Herr Zilz

Herr Zilz, der auf einem Foto mit Roth und Soma Morgenstern, auf einem zweiten mit diesen sowie Germaine Alazard und Klaus Dohrn im Café de la Poste 1938 zu sehen ist, wurde identifizert!


Das ist Karl (Charles) Zilz (1889 Graz, Steiermark – 1944, New York, N. Y.). Er war bis 1938 Inhaber des 1888 gegründeten Kleiderhauses J(oachim). Zilz & Co. in der Annengasse 11. Es wurde ihm von dem Nationalsozialisten Hans Hofmann abgepreßt.

Offenbar befand sich Zilz mit seiner Frau Margarethe, geborene Birman, und der Tochter Erika (später Wayne) auf der Durchreise nach Amerika in Paris. Der Grund war aber nicht Roth, sondern die Schwägerin von Zilz (also Margarethes Schwester), niemand anderer als Caroline/Carina Birman (1895 Graz – 1996 New York, N. Y.).

Studierte Juristin mit Agrée in Frankreich und dann in den USA lebte sie in Paris, wo sie eine eigene Kanzlei betrieb und Rechtsberaterin der österreichischen Gesandtschaft war (1926 bis 1938); sie setzte sich bis 1940 für Emigranten ein (organisierte u. a. eine Flucht zu einem imaginären Kongreß nach Mexiko), ehe sie mit ihrer Freundin Grete Freund (eine von Roths Helferinnen der letzten Monate und Sekretärin der Zeitschrift Das neue Tage-Buch) und der Fotografin Henny Gurland (und deren Sohn) über die Pyrenäen flüchtete. In New York hatte sie wieder eine eigene Kanzlei. Sie klärte die Erbschaftsfrage nach Roth (Grübels oder Reichlers) und bewahrte lange den Teil von Roths Nachlaß auf, der die nationalsozialistische Besetzung Frankreichs im Haus, in dem Roths Übersetzerin Blanche Gidon wohnte, überdauerte. In den 1970er Jahren kam dieser Nachlaßteil ins Leo Baeck Institute, New York, und bildet dort die Joseph Roth Collection (neben jener, die der Journalist Joseph Breitbach in die USA gebracht hatte).

Herzlichen Dank an Claus Lochbihler, München, der alle Zilze der Welt jener Zeit durchforstet hat; die bei geni.com waren die richtigen. Über Carina Birman gibt es nur ein schmales Buch, „The Narrow Foothold“, das die Flucht nach Spanien und die letzten Stunden Walter Benjamins (den sie oben an der Grenze trafen) beschreibt (London, Hearing Eye, 2006). Herzlichen Dank ebenso an Senta Lughofer, aus deren Sammlung die genannten Fotografien stammen.

Die genannten drie Photographien sind abgebildet in: Joseph Roth im Exil in Paris, 2008: 110 (mit Alazard); Joseph Roth. Bildband 1994: 268 (mit Soma Morgenstern); Joseph Roth. Bildband 2009: 252 (Roth allein).

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Dann schreiben Sie uns an info@joseph-roth.at.